„Du... bist ein Drache?" fragte er, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern, während er auf das blaue Haar des Mädchens vor ihm starrte. Froeis seufzte tief. „Hättest du mir das nicht früher sagen können?" Seine Stimme war weniger wütend als überrascht, als er noch immer versuchte, die Kluft zwischen der Froeis, die er gekannt hatte, und der Froeis, die er nun vor sich sah, zu überbrücken. „Nein," antwortete sie schließlich, „Ich hatte nie vor, es dir zu sagen." Lykan blinzelte, als er die Miene in ihren Augen sah. Etwas in ihr hatte sich verändert. Sie war nicht mehr das Mädchen, das mit ihm gekämpft hatte, nicht mehr die junge Kriegerin, die ihn an ihre Seite gerufen hatte. Sie war jetzt etwas anderes, etwas Größeres, und Lykan konnte es kaum begreifen. Froeis' Blick wanderte zu den acht Schnee Drachen, die sie nun umrundeten. Ihre Flügel, die in der Sonne weiß schimmerten, erinnerten an die Kälte des Winters. Ihre Haut glänzte im weißen Licht des Morgens, und die Winde, die sie mit ihren Bewegungen erzeugten, trugen den Geruch von Schnee und Eis mit sich. Es war eine Armee, die ihr folgte, und Lykan wusste, dass er sie nicht aufhalten konnte. „Ich habe meinen Weg gewählt, ich brauche dich nicht mehr", sagte Froeis schließlich, ihre Stimme fest, aber nicht ohne ein Hauch von Bedauern. „Geh Lykan! Lebe dein Eigens leben." Lykan sah erschrocken aus doch sah er ihr lange in die Augen, seine Gedanken wirbelten durcheinander. „Aber du hättest doch... du hättest mich nicht einfach so verlassen dürfen!" Ein Schatten zog über Froeis' Gesicht. „Es war nicht meine Entscheidung. Du verstehst es nicht, Lykan. Du kannst es nicht verstehen." Ihre Worte trafen ihn wie ein Schlag, doch er konnte sie nicht zurückhalten. „Warum?" Froeis zögerte einen Moment, dann verschränkte sie ihre Arme und blickte zu den anderen Drachen. „Weil das der Weg ist, den ich gehen will. Der Weg, der mich stärker macht. Der mich zum Drachen macht, der die Macht über all die anderen hat. Ich habe lange genug als Mensch gekämpft, jetzt muss ich als Drache kämpfen. Ich habe genug." Mit diesen Worten drehte sie sich um, ihre Flügel schlugen kraftvoll, und sie erhob sich in den Himmel. Die acht anderen Drachen folgten ihr, ihre mächtigen Körper flogen in Formation, als ob sie einen Befehl empfingen. Lykan stand da, ungläubig, und starrte ihnen hinterher, während die schneebedeckten Drachen immer weiter in der Ferne verschwanden. „Froeis!" rief er, doch seine Stimme hallte nur durch die kalte Luft. Sie war fort.
Der Schmerz lag schwer auf seinem Herzen. Froeis, die ihn verlassen hatte, die sich für diesen dunklen, eisigen Weg entschieden hatte, den er nicht verstehen konnte. Aber er wusste, dass er sie nicht zurückholen konnte. Nicht jetzt. Nicht in diesem Moment. Lykan drehte sich um, als er plötzlich eine Bewegung hinter sich spürte. Es war zu spät, um zu reagieren. Ein harter Schlag traf ihn am Kopf, und bevor er sich überhaupt wehren konnte, fiel er bewusstlos zu Boden.